Publik Machen
Zu Arbeit und Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR

Wie beeinflusst Musik die Bildende Kunst? Ist es möglich, Klang mit Tinte auf Papier darzustellen? Kann man zu einer Radierung tanzen? Dies sind einige der Fragen, denen die Ausstellung „Coda: Wiederaufführung einer Ausstellung“nachgeht. Ausgangspunkt ist die Ausstellung „Musik in der bildenden Kunst der DDR“, die Anfang der 1980er-Jahre von Hans-Jörg Schirmbeck, Ausstellungskommissar am Zentrum für Kunstausstellungen der DDR (ZfK), konzipiert wurde. Die ursprünglichen Präsentationen zeigten Musiker:innenporträts, abstrakte Notationen oder Hommagen an berühmte Komponisten. Teil der Präsentation in der Neuen Berliner Galerie im Alten Museum 1985 waren wöchentliche Konzerte, die die Ausstellung aktivierten. Im Anschluss wurde die Ausstellung in Duisburg sowie in Kuwait im Kontext von internationalen Musikkongressen gezeigt. Horst Bartnig, Renate Göritz, Lutz Hirschmann, Heinz Plank, Hans Ticha, Erika Stürmer-Alex sowie viele weitere Künstler:innen nutzten Zeichnung, Radierung, Malerei oder Collage, um Komponist:innen, Musiker:innen oder die Musik selbst darzustellen. Von Beethoven bis Pink Floyd, über Hanns Eisler, Jimi Hendrix oder eine anonyme Schlagersängerin – viele Ikonen und Genres finden sich heute im Nachlass des ZfK. Die Musik bot den Künstler:innen in der DDR ein Spielfeld künstlerischer Freiheit, das trotz der staatlichen Restriktionen eine eigenständige und anerkannte Kulturform entwickelte. Zugleich griffen die Künstler:innen – im Anschluss an die Infragestellung der traditionellen Notation der 1960er-Jahre – auch zur Abstraktion, um ihre eigene Musik auf Papier zu erfinden.
Die Entscheidung, für die kuratorische Neuinszenierung ausschließlich Werke aus dem Bestand des ZfK im ifa zu zeigen, bildet den Rahmen für die Auswahl. Nach über dreißig Jahren im Depot in Stuttgart begegnen sich die Arbeiten im Zusammenspiel mit Dokumenten wie dem Ausstellungskonzept, Katalogen, Presserezensionen, Fotos oder Medienberichten, die ein zeithistorisches Bild des experimentellen und intermedialen Projektes nachzeichnen. Der Titel „Coda“ verweist als musikalischer Fachbegriff auf den Schlussteil eines Musikstücks und bringt ein Moment der Reflexion zum Ausdruck, das sich in der neuen Präsentation fortsetzt – die nicht als Rekonstruktion, sondern vielmehr als „Wiederaufführung“ der verschiedenen Versionen der ursprünglichen Ausstellung zu verstehen ist. Die Werke sind strikt chronologisch angeordnet, von 1963 bis 1988. So ermöglicht die Hängung einen Einblick in die Entwicklung der Kunst in der DDR, vom konkreten Realismus zu einer von zeitgenössischen Melodien inspirierten Abstraktion.
Die ursprüngliche Ausstellung wurde von einem Musikprogramm begleitet, das Barock, Neue Musik, Jazz und Songs umfasste. Eine Kooperation mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler soll es ermöglichen, die Ausstellung im KVOST mit Konzerten zu beleben – nicht als Rekonstruktion des ursprünglichen Programms, sondern als neue Interpretationen.
Werke aus der Sammlung des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR und des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen (8/48)
Eröffnung: Freitag, 3. Juli 2026, 18 Uhr
Ausstellung: 4. Juli – 30. August 2026
Mit Werken von Bernd Bankroth, Horst Bartnig, Wolfgang E. Biedermann, Dieter Bock, Dietrich Burger, Hartwig Ebersbach, Dieter Goltzsche, Renate Göritz, Jürgen Haufe, Rainer Herold, Karl-Georg Hirsch, Lutz Hirschmann, Veit Hofmann, Gerhard Kettner, Ingo Kirchner, Wolfgang Mattheuer, Alfred T. Mörstedt, Rolf Münzner, Charlotte Elfriede Pauly, Heinz Plank, Herbert Sandberg, Erika Stürmer-Alex, Hans Ticha, Andreas Wachter, Claus Weidensdorfer, Karla Woisnitza, Axel Wunsch
Kuratiert von Thibaut de Ruyter nach einem Konzept von Hans-Jörg Schirmbeck
Die sechsteilige Ausstellungsreihe Publik Machen im Jahr 2026 des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen findet in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung statt. Die Ausstellungsreihe in Berlin, in Kooperation mit der ifa-Galerie Berlin, dem Schloss Biesdorf, dem Kunstverein Ost - KVOST, der Prater Galerie und der Galerie im Turm, wird durch den Hauptstadtkulturfonds gefördert.
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